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Biozyklische vegane Landwirtschaft – eine zukunftsweisende Form des Anbaus

 Die Massentierhaltung – und die konventionelle Landwirtschaft allgemein – stecken in der Krise. Besonders das Leiden der Tiere ist für viele Menschen unerträglich, die daher auf Produkte tierischer Herkunft verzichten und vegan leben. Im Grunde wissen sowohl die Landwirte, die Vorsitzenden der landwirtschaftlichen Verbände als auch die Verantwortlichen in der Agrarindustrie, dass ein „weiter so wie bisher“ nicht mehr lange möglich ist, denn die damit verbundenen Probleme verschärfen sich täglich. Zur Versäuerung der Böden und der Ozeane über die Abholzung der Regenwälder bis hin zum Welthunger, aber auch zum Klimawandel trägt die Landwirtschaft maßgeblich bei.

Auch die Gesundheit der Bevölkerung steht auf dem Spiel, da der menschliche Körper Nährstoffe benötigt, die in der herkömmlichen Produktionsweise nicht mehr zu Verfügung gestellt werden. Zudem hungern 800 Millionen Menschen, während weltweit 30% der Lebensmittel verschwendet werden. 1,2 Milliarden Menschen kämpfen, bedingt durch die industriellen Produkte, mit Übergewicht und damit verbundenen chronischen Krankheiten.

Auf die Unnachhaltigkeit der Agrarindustrie weisen hunderte von Wissenschaftlern bereits seit einigen Jahren hin, wie auch der Weltagrarbericht von 2008 und der Bericht der UNCED „Wake up before it´s to late“ von 2013, die eine Umstellung auf die ökologische Landwirtschaft fordern.

Auch die Veranstaltung des Fördervereins für ökologische Landwirtschaft in Berlin und Brandenburg (FÖL), die am 21.3. in den Räumen der GLS-Bank stattfand, wies auf all diese Probleme hin und zeigte praktikable Lösungen auf, die die biozyklisch-vegane Landwirtschaft bietet.

Dr. agr. Johannes Eisenbach, Jens Petermann, Konstantinos Tsilimekis

Dr. agr. Johannes Eisenbach, Koordinator vom BNS Biocyclic Network Services Ltd, erläuterte, wie es möglich ist, mit Kompost ohne tierischen Dünger auf biovegane Weise Anbau zu betreiben, wobei in Griechenland bereits eine erste Zertifizierung durchgeführt wurde und die ersten Produkte auf dem Weg nach Deutschland sind, die demnächst im Supermarkt Tegut zu finden sein werden. Der Verein Bio.Veg.An., ein Zusammenschluss einschlägiger Organisationen und Firmen des Öko-Landbaus und der veganen Lebensweise, ist dabei, die biovegane Landwirtschaft in Deutschland voran zu bringen, die noch in diesem Jahr auch als IFOAM-Standard global verfügbar sein soll.

Jens Petermann, Geschäftsführer der Produktivgesellschaft Dannenberg mbH und Experte für Bodenaufbau und Bodenfruchtbarkeit, erzählte von seinen Erfahrungen als Landwirt, wobei er als Quereinsteiger einige Methoden überdenken konnte und beim Ackerbau hauptsächlich auf die Regenerierung und Erhaltung der Böden setzt. Hierbei gelte es, Denkweisen des 18. und 19. Jahrhunderts zu revidieren, die davon ausgehen, dass die Nährstoffe aus dem Boden künstlich ersetzt werden können, um das Wachstum der Pflanzen zu beeinflussen. Auch heute noch gelten die Theorien von Carl Sprengel, der das Gesetz des Minimums zur Ernährung von Pflanzen aufstellte und damit die Humustheorie wiederlegte, nach der sich Pflanzen nur von ihnen gleichartigen Substanzen ernähren können. Außerdem gehören Albrecht Daniel Thaer, Verteidiger der rationellen Landwirtschaft als Gewerbe, und Justus von Liebig,  der die Agrarchemie und die künstlichen Düngung einführte, zu den Begründern der modernen Agrarwirtschaft.

Seither wurde der Fokus auf die Ernährung der Pflanzen gerichtet, während heute die Ernährung des Bodens immer mehr in das Zentrum der Aufmerksamkeit rückt. Nur ein lebendiger Boden kann Pflanzen so ernähren, dass die Nährstoffe auch unserer Gesundheit zugutekommen. Die Böden befinden sich aber in einem katastrophalen Zustand, durch die Erosion gehen allein in den EU-Staaten jährlich knapp eine Milliarde Tonnen Boden verloren. Wie David Montgomery in seinem Buch „Dreck“ schreibt, verliert unsere Zivilisation damit buchstäblich den Boden unter den Füßen.

Als dritter Referent des Abends war Konstantinos Tsilimekis eingeladen, der sich als Geschichts- und Kulturwissenschaftler für eine bio-vegane Landwirtschaft einsetzt und das Wissenschaftsressort der Albert-Schweitzer-Stiftung für unsere Mitwelt in Berlin leitet. Er vertritt die Ansicht, dass „bio vegan braucht“ und beides nur zusammengeht. Das Konzept „biovegan“ sieht er als Chance, die Diskussion neu aufzustellen, da in der ökologischen Landwirtschaft die Tierhaltung oft ein Bestandteil ist. Vegan und bio sind nicht nur Trends, sondern haben sich gerade in Berlin fest etabliert, aber selten wird ein Zusammenhang hergestellt. Der biozyklisch-vegane Landbau verbindet hier die vegane Lebensweise mit einer nachhaltigen Landwirtschaft.

Jens Petermann wies darauf hin, dass zur Düngung genügend organische Abfälle zur Verfügung stehen, womit auch ein Teil des Abfallproblems gelöst werden könnte. Gesetze und Vorschriften verhindern jedoch, dass die Landwirte lokal anfallende Abfälle zur Düngung nutzen dürfen, oder nur unter absurd hohen Auflagen, die organische Materie wie Giftstoffe behandeln. Auch eine Kompostierung von Algen wäre möglich, womit auch die Meere in den Kreislauf miteinbezogen werden können, woran der Verein Bio.Veg.An. arbeitet.

Allgemein gilt es nun, dieses Wissen über die Zusammenhänge von Landwirtschaft und Gesundheit gesellschaftlich zu vermitteln und den Übergang voranzutreiben. Bereits in den Schulen müssten den Kindern die natürlichen Kreisläufe beigebracht und Respekt vor der Natur gelehrt werden.

Die V-Partei, für die die bio-vegane Landwirtschaft ein zentrales Anliegen ist, nutzt die Bundestagswahlen dieses Jahr, um die Notwendigkeit einer radikalen, im Sinne von einer tiefgreifenden, Umstrukturierung der Landwirtschaft und eine entsprechende Politik einzufordern.

Zur Seite des Vereins Bio.Veg.An 

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