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Raus aus der Krise – Wege in eine sozial-ökologische Gesellschaft

 

Ringvorlesung des Otto-Suhr-Instituts für Politik- und Sozialwissenschaft der Freien Universität öffnete den Hörsaal für die Diskussion der aktuellen gesellschaftlichen Transformationsprozesse.

Im offenen Hörsaal wurden dieses Wintersemester 2016/17 jeden Dienstag an insgesamt 16 Abenden Auswege aus der sozialen und ökologischen Krise diskutiert. Die Themen wurden drei Blöcken zugeordnet: Die Krise verstehen, Pfade einer sozial-ökologischen Transformation und Wandeltendenzen in gesellschaftlichen Feldern.

Deutlich wurde, dass die kapitalistische Produktionsweise ein zentrales Problem verstanden wird, das die sozial-ökologische Krise verursacht. Die globale Krise wird durch Lösungsvorschläge wie der Green Economy eher noch verschärft und auf die Spitze getrieben. Lösungsmöglichkeiten liegen eher in der emanzipatorischen Demokratisierung und dem Wandel des Konsums und der Produktionsweise, wobei grundlegend eine neue Logik für die Organisation von Staat und Wirtschaft ist, die mit Konzepten wie der Commons und der Ecommony (Friedericke Habermas) beschrieben wird. Konkret werden diese Konzepte anhand der Wandeltendenzen in gesellschaftlichen Feldern wie der Energiedemokratie, der Mobilitätswende, der Agrarwende oder der Care Revolution erprobt, die von verschiedenen Referenten ausgeführt wurden.

An der Abschlussveranstaltung nahmen die Politikwissenschaftler Prof. Dr. Ulrich Brand und Dr. Achim Brunnengräber sowie Barbara Unmüßig, Vorstandsvorsitzende

der Heinrich-Böll-Stiftung, teil, um die Frage „sozial-ökologische Transformation – aber wie dorthin?“ aus unterschiedlichen Ansätze zu diskutieren.

In der Debatte forderte Barbara Unmüßig die Politisierung des Lebensstils, da der Konsum, vor allem von Fleisch und anderen Tierprodukten, ein gesellschaftliches Problem ist. Die Frage stellt sich, wie gehandelt werden kann. Ulrich Brand machte deutlich, dass die Kritik am Kapitalismus die Veränderung der Produktionsprozesse beinhalten muss. Die Diskussion der Transformation wird auf vielen Veranstaltungen geführt, wobei auf den Staat und die Wirtschaft als Akteure gesetzt wird, mit etwas sozialem Ausgleich durch den dritten Sektor, es geht dabei aber nicht um die notwendige radikale Veränderung von Staat und Markt.

Letztlich wolle keine Partei an das Wachstumsthema ran, denn die Semantik von Wachstum ist ja grundsätzlich positiv, und dieser hat ja auch zu Wohlstand und einem hohen Lebensstandard in den Industrieländern geführt. Eine emanzipatorische Wachstumskritik muss jedoch die Logik des Wirtschaftssystems grundsätzlich ändern, da die Kosten der Produktion und des Konsums sozialisiert (externalisiert) und die Gewinne privatisiert werden.

Tatsächlich hätten wir die soziale und moralische Mehrheit für eine radikale Wende hin zu einer Postwachstumswirtschaft, aber wir brauchen hierzu eine Debatte über die soziale Abstiegsangst und die ökologische Verteilungsfrage. Es geht um die Umverteilung von Vermögen und die Absicherung vor der Arbeitslosigkeit, aber auch die Kosten der Umweltschäden, die von den Konzernen externalisiert und hauptsächlich den Menschen im globalen Süden aufgelastet werden.

Ulrich Brand wies auch darauf hin, dass in den nächsten Jahren durch die Automatisierung und den Rückgang der Nachfrage in der Automobilindustrie tausende von Arbeitsplätzen abgebaut werden, weshalb auch Führungskräfte der Elite für ein bedingungsloses Grundeinkommen plädieren. Gegengesteuert werden könnte auch durch eine Arbeitszeitverkürzung und die Rückkehr zu einer zyklischen Lebensweise der Genügsamkeit. Insgesamt wurde ein Mangel an konkreten Utopien festgestellt und es fehlt an Strategien, politisch ins Handeln zu kommen.

Bei der Kritik am Kapitalismus ist außerdem zu berücksichtigen, dass vieles in unserem Leben sowieso nicht kapitalistisch ausgerichtet ist, es existiert eine solidarische Ökonomie und Gemeinschaftsaktionen. Andere Lebensmodelle müssen geschützt und gefördert werden, wie die der indigenen Völker, die sich nicht in die Marktwirtschaft eingliedern lassen wollen und Widerstand leisten.

Auf die Frage, was die Transformation für die Politik bedeute, hob Barbara Unmüßig hervor, dass wichtige Elemente wie die Gewaltenteilung erhalten bleiben sollten, verändert werden müsse vor allem der Einfluss der Lobbyisten.

Mit dem Plädoyer für eine Veränderung der Produktionsweise und des Konsums in Deutschland, die auch positive Wirkungen für andere Länder hätte und weltweit Zeichen setzen würde, endete die Veranstaltungsreihe.

Für diese Veränderungen setze ich mich in der V-Partei³ als Landesvorsitzende Berlin ein. Wir brauchen heute ein breites politisches Bündnis aller, die sich für grundlegende Veränderungen unserer immer absurder werdenden Produktionsweise und unseres Wirtschaftssystems engagieren. Wir brauchen eine Diskussion über ein politisches System, das unseren Herausforderungen entspricht und die globale Krise nicht immer weiter verschärft. Wir müssen die Vernunft als politische Grundlage nutzen, und nicht Angst und Hass schüren, nur um die notwendigen Veränderungen zu vermeiden. Denn wir haben nur die Wahl, den Wandel zur eine verantwortungsvolle, konstruktive Politik aktiv zu gestalten, oder dieser wird durch Katastrophen und unter hohen Kosten geschehen. – Change by design, not by desaster!

Es nützt uns nichts, wenn wir immer nur nach Schuldigen suchen, denn wir sind ein Teil des globalen Systems und können uns unserer eigenen Verantwortung nicht länger entziehen.

Wir brauchen positive Visionen und ein Ende der Förderung des Wirtschaftswachstums auf Kosten der Natur, der Tiere und der Menschen. So schlage ich vor, nicht länger Fronten zu schaffen, sondern den Dialog zu suchen und gemeinsam eine Welt zu schaffen, in der alle friedlich und glücklich leben können, es ist genug für alle da! Komm zu V-Partei³, engagiere Dich, es ist Zeit! Wann, wenn nicht jetzt?!


Alle Folien und Podcasts der Vorträge sind auf dieser Seite zu finden: Raus aus der Krise – Ringvorlesung_2016_17

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